Wenn es um das Thema Eintrittskarten geht, ist man sich in Fankreisen schnell einig: Man erhält viel zu viele Absagen und viel zu wenig Karten. Da fast jeder Bayernfan dieser Meinung ist, die Stadionkapazitäten zumindest kurzfristig aber nur schwer steigerbar sind, kann es offensichtlich keine Lösung geben, mit der jeder Fan rundum zufrieden wäre.

Diese Erkenntnis wird aber zu oft als Totschlagargument verwendet, um jede Diskussion über die Verteilung der Tickets schon im Keim zu ersticken. Dabei hat die Ticketabteilung selbst in den letzten Jahren immer wieder Änderungen im System herbeigeführt, die sicher nicht überall auf Begeisterung gestoßen sind, aber trotzdem bei genauerer Betrachtung eine Verbesserung dargestellt haben: Für die "ALLESfahrer", also diejenigen die zu ALLEN Spielen Fahren wurde eine Auswärtsdauerkarte eingeführt. Dieses Angebot erfreute sich großer Beliebtheit, und so stieg die Anzahl der Auswärtsdauerkartenbesitzer schnell auf etwa 500 Personen.

Tatsächlich waren darunter aber viele Fans, die "nur" zur Hälfte der Spiele fuhren, oder Fanclubs, die die Karten in erster Linie zum Tauschen für andere Spiele verwendeten. Und es gab leider auch einige schwarze Schafe, welche die Karten regelmäßig bei Ebay verkauft haben.

Die seit dieser Saison neu praktizierte Regelung, bei der man sich als AWDK-Besitzer das Ticket nur persönlich am Spieltag am Stadion abholen kann und bei mehrfachem Nicht-Erscheinen seine Karte gekündigt bekommt, ist sicher ab und zu etwas umständlich für die Betroffenen. In der Praxis führt sie aber dazu, dass genau diejenigen die Eintrittskarten erhalten, für die sie ursprünglich gedacht waren: die Fans, die zu allen (oder fast allen) Spielen fahren. Durch die zahlreichen nun frei werdenden Auswärtsdauerkarten erhalten auch die "Allesfahrer" der nächsten Generation eine Chance auf ein sicheres Ticket. Zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis gibt es nun ein anderes Problem: die Fans der nächsten Generation erhalten gar keine Heimdauerkarte. Diese ist aber zwingende Bedingung für das Beantragen einer Auswärtsdauerkarte. Und so schaut der Nachwuchs gleich doppelt in die Röhre.

Das größte Problem ist dabei aber nicht einmal die Verteilung der Auswärts(dauer)karten. Sondern die drohenden Überalterung in der eigenen Fankurve. In den letzten Jahren hat gerade einmal eine einstellige Zahl an Fans ihre Südkurven-Stehplatz-Dauerkarte abgegeben um z.B. in einen anderen Block zu wechseln. Und es gibt keine Anzeichen, dass sich dieser Trend ändern würde. Was das für die Altersstruktur in der Kurve in den nächsten Jahren bedeutet, kann sich jeder ausrechnen.

Eine Lösung dieses Problems ist überaus knifflig, und sie wird sicher auch nicht alle zufrieden stellen. Deshalb muss sie zusammen von Fanvertretern und Vereinsführung entwickelt werden. Eine gemeinsame Kommission wäre dazu der richtige Rahmen. Noch ist der Verein dazu nicht bereit. Aber mit jedem Jahr das wir verstreichen lassen, ohne an einer Lösung zu arbeiten, wird das Problem größer, und die Lösung noch komplizierter werden. Der Ball liegt auf Seiten des FC Bayern. Wir hoffen, dass er möglichst bald ins Rollen kommt.